Der Heilige Berg im Sauerland

Wilzenberg Aussichtsturm Sauerland Blog

Mit über 657 m Höhe ist er einer der höchsten Berge im Schmallenberger Sauerland und ohne Zweifel einer der schönsten: der Wilzenberg zwischen Grafschaft und Gleidorf. Bis heute ist nicht sicher, wer dort auf dem Berg gelebt hat. Auf dem Gipfel steht die Marienkapelle, deren Freialtar die 12. Station des Kreuzwegs ist. Mich hat wieder der Aussichtsturm angelockt, wo man einen phänomenalen Ausblick auf den Sonnenuntergang hat.

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Einige Jugendliche haben mir erzählt, es würde dort spuken. Das kann ich gar nicht glauben, denn mir kommt dieser Berg gar nicht gruselig vor! Außerdem ist er ein heiliger Ort, eine Wallfahrtstätte. Der einzige Geist, den man dort spüren kann, ist der Hl. Geist. Obwohl es viele Sagen und Mythen gibt…

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Auf dem Aussichtsturm in Blickrichtung Oberkirchen und Winterberg hat man etwa 12 km Sichtweite. Durch die hohen Berge bleibt alles dahinter versteckt.

Sagenhafter Wilzenberg

So soll die Gräfin Chuniza im Wahn nacheinander ihre sieben Ehemänner vergiftet haben. Sogar die Hufeisen der Pferde sollen bei der Flucht falsch herum angebracht worden sein, damit Chuniza‘s Weg nicht nachvollziehbar sei. Und bis in die 1960er Jahre haben sich in der Heimsuchungswoche nach der Donnerstag-Abendmesse die Kinder und Jugendlichen von Schmallenberg und Fredeburg auf dem Wilzenberg gekebbelt, genauer: Es waren Rangeleien zwischen den jüngeren Breybälgern und Zemmeln. Mehr zu den Zemmeln und Breybälgern habe ich auch schon beim Historischen Stadtrundgang in Bad Fredeburg und der Kulinarischen Stadtführung Schmallenberg erfahren.

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Hier schaue ich in Richtung Bad Fredeburg.

Der Einsiedler Georg Müller

Josef Knape aus Grafschaft hat mir die Geschichte des letzten Einsiedlers vom Wilzenberg erzählt. Im 19. Jahrhundert lebte Georg Müller nördlich der Kapelle in einer kleinen Behausung und schlief im Gewölbe der Kapelle. Seine Nichte Katharina brachte ihm mittags immer ein Mittagessen, welches von Katharinas Mutter Elisabeth zubereitet wurde. (Elisabeth war die Adoptivoma von Josef Knape.) Die „Übergabe“ erfolgte am Bach Grafschaft, denn Georg hat den Bach nie wieder überquert. Eines frühen Morgens war eine Frau aus Schmallenberg bei der Kapelle und rief Gott um einen Gefallen an, nämlich: „Herrgoat, giev dat uese Jasepken Geistlicher wird!“ (Bitte Herrgott, lass unseren Josef Geistlicher werden), worauf der Einsiedler mit „Deu alle Schamtfurt van me Weibesmenske!“ (Du alte Schmandfurt, lass mich in Ruhe, Weib) antwortete. Die Frau dachte, dass Gott ihr geantwortet habe und lief erschrocken nach Schmallenberg zurück.

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Der Herbst hält Einzug am Wilzenberg, die Bucheckern liegen schon auf dem Boden.

Der steile Weg zum Berg

Vom Wanderparkplatz aus führt eine asphaltierte Straße den Berg hinauf. Beim Gehen spüre ich auch die vielen Bucheckern unter den Schuhen. Hier zieht der Herbst also schon seine Kreise. Bei der Kapelle „Blutschwitzender Heiland“ habe ich die Wahl zwischen einem kurzen Weg und einem langen Weg zum Gipfel.

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Die Kapelle des „Blutschwitzenden Heilands“ findet ihr am Fuß des Wilzenberges.

Der kurze Weg scheint steil zu sein und führt mich durch den Wald, die lange Strecke ist der asphaltierte, flachere Weg. Was soll’s, ich nehme den kürzeren Weg. Nach nur 700 m soll ich am Turm sein, so das Schild. Das ist viel verlockender als 1,2 km!

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Die asphaltierte Straße ist nicht so steil wie der kurze Weg.

Der Weg ist schon ein wenig anstrengend, aber zum Glück gibt es ungefähr auf der Hälfte eine Bank am Brauers-Deyk („Bruder-Teich“). Hier könnte ich länger sitzen bleiben, so malerisch ist es hier! Benannt ist der Teich nach einem Mönchsbruder, der im 16. Jahrhundert auf dem Wilzenberg gelebt haben soll. Die Quelle hat ihn also wahrscheinlich mit Wasser versorgt. Er soll in der Nähe der Kapelle belebt haben, die schon vor 1500 dort erbaut wurde. Auch heute noch werden regelmäßig (in den wärmeren Monaten) dort Gottesdienste gefeiert.

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Den Brauers-Deyk (Bruder-Teich) erreicht ihr nur über den kurzen, steilen Weg.

Fundstücke aus der vorrömischen Eisenzeit

Auch als Wallfahrtsziel ist der Wilzenberg beliebt. Der Jacobsweg „Heidenstraße 2“ verläuft direkt am Fuß des Wilzenbergs, nämlich durch Gleidorf. In der Heimsuchungswoche Anfang Juli anlässlich Maria Heimsuchung finden auf dem Wilzenberg jeden Werktag zwei Gottesdienste um 06:30 Uhr und 19:30 Uhr statt. Ich war schon mehrmals am Aussichtsturm, aber noch nicht bei der Kapelle. 1950 haben zwei Arbeiter in der Nähe der Kapelle beim Anlegen eines Kaffeeausschanks einen sensationellen Fund gemacht: mehrere Schwerter und Lanzenspitzen, die nachweislich aus der Latènezeit stammen, also der jüngeren vorrömischen Eisenzeit um ca. 450 v. Chr.! Diese Fundstücke könnt ihr im LWL-Museum für Archäologie in Herne bewundern.

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Diese Waffen hat man am Wilzenberg gefunden. Heute sind die Fundstücke in Herne im LWL-Museum für Archäologie ausgestellt. (Bild: LWL/H. Menne)

Das unübersehbare Hochkreuz

Draußen neben der Kapelle vor dem Freialtar stehen die Bänke für den Freiluft-Gottesdienst. Ich halte kurz inne und genieße den Moment. Hier oben ist es nahezu still, bis auf ein paar zwitschernde Vögel und das Rascheln der Blätter.

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Neben der Kapelle stehen die Bänke für den Freiluft-Gottesdienst.

Dann nehme ich das riesige Hochkreuz bewusst war. Ich trete näher und erfahre durch die Infotafel, dass das 1626 von der ehemaligen Benediktiner-Abtei aufgestellte Holzkreuz irgendwann verfallen ist. Auf Privatinitiative wurden 1935 sowie 1946 neue Kreuze aufgestellt, die allerdings den Kriegs- und Witterungseinflüssen nicht standhielten.

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Dieser Balken ist ein Überrest vom letzten Holz-Hochkreuz.

Auch ein viertes Kreuz, 1972 aufgestellt, fiel 1980 um und wurde wiederaufgestellt, bevor man sich im Jahr 2015 endgültig vom Holz verabschiedet hat. Einen Balken des letzten Holzkreuzes findet ihr noch auf dem Gipfel. Heute ist das rund 28 m hohe Kreuz das Wahrzeichen des Wilzenbergs. Ich finde das Kreuz wirklich sehr beeindruckend, vor allem weil es mit viel ehrenamtlicher Arbeit auf den Berg gelangt ist. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das wirklich eine Mammutaufgabe war! Durch das Kreuz ist der Wilzenberg immer leicht zu erkennen.

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Das Stahl-Hochkreuz misst etwa 28 m.

Am Püttken vorbei zum Turm

Ich gehe nun weiter in Richtung Aussichtsturm. So langsam geht es zum Herbst über, denn es weht ein leichter, kühler Wind. Durch eine Hinweistafel weiß ich, dass ich mich im frühmittelalterlichen Ringwall befinde. Der Wall stammt etwa aus dem 8.-10. Jahrhundert und gehörte wohl zu einer Burg, deren Alter und Funktion allerdings nicht geklärt werden können. Es ist nicht mal sicher, wer dort gelebt hat. Hier steht auch der Brunnen, der im Volksmund „Püttken“ genannt wird. In der Umgebung erzählt man den Kindern auch, dass der Klapperstorch die Babys aus dem Püttken holt und zu den Eltern bringt!

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Der Brunnen, auch Püttken genannt.

Jetzt geht es endlich auf den „Eiffelturm des Sauerlands“! Der Aussichtsturm auf dem Wilzenberg wurde nämlich 1889 erbaut, wie auch der Turm in Paris. Er wurde vor allem durch das Engagement des Oberkirchener Fabrikanten Otto Schütte erbaut (er gründete auch die „Schwarze Fabrik“ nahe Oberkirchen, die heute auch als Kunstschmiede Schütte bekannt ist). Durch fehlende Geldmittel ist der Turm allerdings nur 10 m hoch geworden und konnte erst 1989 bei der Renovierung auf die ursprünglich geplante Höhe von 17 m aufgestockt werden. Heute können wir also einen kilometerweiten Ausblick über das Schmallenberger Sauerland in 10 m und 17 m genießen.

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Der „Eiffelturm des Sauerlands“.

Der Turm scheint gar nicht so hoch zu sein, wenn man unten steht. Oben angekommen ist es wirklich eine Überraschung, dass einem das Sauerland zu Füßen liegt. Je weiter es zum Horizont geht, desto mehr verschwimmt auch die Grenze zwischen Himmel und Bergen. Hier macht sich ein Gefühl von Grenzenlosigkeit breit, welches ich auch durch Bauchkribbeln wahrnehmen kann. Da spüre ich wieder die Heimatliebe. Es gibt kein schöneres Fleckchen Erde als das Sauerland! Ich war mehrmals auf dem Turm und bin immer wieder überwältigt…

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Die letzten Sonnenstrahlen malen ein magisches Farbenspiel an den Horizont. Die Sichtweite geht hier sogar über Wildewiese hinaus, also rund 25 km Luftlinie!

Schaut unbedingt mal auf dem Wilzenberg vorbei und steigt auf den Turm. Vielleicht am Sonntag, oder mal abends für den Sonnenuntergang? Auf jeden Fall solltet ihr beim „Abstieg“ nicht den kurzen Weg nehmen. Der ist nämlich dafür etwas zu steil, finde ich. 😉

Erholung & Action im Land der tausend Berge!
Die Natur liegt direkt vor der Haustür, also rein ins Vergnügen! Der Kletterwald Winterberg ist noch bis Ende November geöffnet (bei entsprechendem Wetter). Oder bleibst du lieber auf dem Boden und möchtest eine Wanderung am Holzerlebnispfad oder dem Kyrill-Pfad unternehmen? Für ein wenig Action bietet sich auch der Discgolf-Park in Bad Fredeburg an!

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

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