Auf den Spuren der Sauerländer

Heimatmuseum Holthausen Schmallenberg Sauerland

Ich bin kaum im Museum, da bin ich auch schon gefangen in dieser Faszination, die dieser Ort ausstrahlt: das Westfälische Schieferbergbau- und Heimatmuseum Holthausen. Mich erwartet nun eine der interessantesten Ausstellungen, die ich bisher gesehen habe. Die unzähligen Exponate werden mich verzücken, Erinnerungen wecken, überraschen, aber vor allem mitreißen in die Geschichte meiner Heimat.

Auf einer Fläche von 2.500 m2 zieht mich die beeindruckende Ausstellung in den Bann. Heute sehe ich mir die Dauerausstellung mit fünf Themengebieten an. Rund ums Jahr gibt es auch immer wieder Sonderausstellungen, wie zum Beispiel die Ausstellung „Picasso – Kostüm und Textur“ zum Festival „Die Textile“.

Heimatmuseum Holthausen Schmallenberg Sauerland
Hier kann man den Aufbau eines Bergarbeiterschuhs sehen.

Sauerländer Schiefer und seine Geschichte

Der Rundgang startet in den unteren Stockwerken des Gebäudes. Hier dreht sich alles um einen der großen Sauerländer Wirtschaftsmotore: Schieferbergbau. Auch heute noch ist der Schieferabbau im Sauerland präsent, denn die einzige noch produzierende Schiefergrube in NRW befindet sich im Nachbarort Bad Fredeburg. Sehr anschaulich zeigt das Heimatmuseum die Geschichte um den Schieferabbau mit verschiedenen Bearbeitungswerkzeugen und Ausrüstungen der Bergarbeiter.

Im nachgebauten Museums-Schacht kann ich nachvollziehen, wie der Schiefer unter Tage abgebaut wurde. In der Ausstellung werden auch Arbeitsplätze der Weiterverarbeitung gezeigt, wie zum Beispiel beim Spalten der Platten. Auch die Herstellung eines besonderen Produktes aus Schiefer wird dargestellt: original Schultafeln aus Fredeburger Schiefer. Ich wusste gar nicht, dass der Schiefer aus Bad Fredeburg auch dafür verwendet wurde.

Schiefer besteht aus etwa 350-400 Millionen Jahre altem Meeresboden, daher findet man auch immer wieder fossile Überreste zwischen den Schichten. Auch davon kann man einige in den Ausstellungsräumen bewundern, ebenso sind auch glitzernde und kristalline Schiefer-Gesteine ausgestellt.

Eintauchen in die Wirtschaftsgeschichte

Weiter geht es in den nächsten Themenbereich: das Wirtschaftsleben im Sauerland. Hier empfängt uns ein Sauerländer Wanderhändler mit seiner „Kiepe“, also einem tragbaren Schränkchen mit Schubladen und vielen Verstaumöglichkeiten. In meinem Beitrag über den Stadtrundgang in Bad Fredeburg habe ich euch schon von den Wanderhändlern erzählt.

Heimatmuseum Holthausen Schmallenberg Sauerland
Sauerländer Wanderhändler mit „Kiepe“.

Nach dem Ende des Hausierhandels konnten die arbeitslos gewordenen Fredeburger zum Glück in zwei neuen Wirtschaftszweigen Arbeit finden: in der aufkommenden Tabakindustrie und dem beginnenden Schieferbergbau. Im Heimatmuseum könnt ihr auch noch viel über die Zigarrenfabriken von Fredeburg erfahren.

Die Wirtschaft im Sauerland hat sich auch um landwirtschaftliche und textile Erzeugnisse gedreht. Daher habe ich neben Imker-Gerätschaften auch viele Werkzeuge und Arbeitsgeräte zum Beispiel von Stellmachern, Textilherstellern und Druckern angeschaut.

In der naturkundlichen Abteilung wird auch die Tier- und Pflanzenwelt im Sauerland anschaulich vorgestellt. Hier wird auch deutlich: der Wald darf niemals nur als Holzquelle gesehen werden, denn er ist auch ein wichtiger Lebensraum für die Pflanzen und Tiere. Das habe ich auch schon auf dem Holzerlebnispfad bei Schmallenberg erfahren.

Volkskunde und Glaubensentwicklung

In nächsten Teil des Museums fühle ich mich zurückversetzt in vergangene Zeiten. Alte Waffeleisen, ebenso alte Backformen und Zinnfiguren haben mich sehr an die jüngere Vergangenheit von Groß- und Urgroßeltern erinnert. In einem Raum war eine Wohnstube nachgestellt mit Möbeln, Schränken und Bildern an den Wänden.

Besonders fasziniert haben mich die vielen schönen und reich verzierten Stubenöfen. Sie sind wie ein Schrank: ganz unten im Ofen wurde das Feuer geschürt, darüber waren Klappen, die geöffnet werden konnten. Darin wurden dann zum Beispiel die Bügeleisen (aus massivem Metall) aufgeheizt, während oben auf dem Ofen die Teekannen zum Warmhalten drauf gestellt wurden. Teilweise waren die Öfen sogar höher als ich!

Durch zahlreiche Darstellungen christlicher Heiliger und verschiedener religiöser Exponate habe ich im Heimatmuseum auch vieles über die regionale Volksfrömmigkeit und die Heiligenverehrung erfahren. Als Gegensatz dazu geht es auch um Aberglauben, und zwar konkret um die Hexenverfolgung im Sauerland. Auch bei meinem Besuch im Gerichtsmuseum Bad Fredeburg habe ich schon einiges erfahren, doch hier ist es noch greifbarer dargestellt.

Natürlich kennt man aus der Schule die Grundzüge der mittelalterlichen Hexenverfolgung, doch die Verbindung mit der eigenen Heimat und den ausgestellten Objekten macht es trotzdem zu einem persönlich betreffenden Thema.

Die Südwestfälische Galerie

Als schöne Abrundung bekommt auch regionale Kunst einen eigenen Raum. Von den rund 7.000 Exponaten sind etwa 150 ausgestellt, die von Künstlern aus dem Sauerland stammen oder von Künstlern geschaffen wurden, die in besonderer Weise mit dem Sauerland verbunden sind. Die Galerie wurde 2009 als Teil des Museums eingerichtet und zeigt Objekte aus dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

In der Südwestfälischen Galerie könnt ihr Werke von Paul Hermann Schoedder, Hinrich Grauenhorst und Carl Siebert anschauen. Sehr imposant und absolut sehenswert sind die Werke von Eugen Senge-Platten. Ihm ist ein eigener Raum gewidmet, um seine Kunstwerke zu präsentieren. Hier sind große Schiefer-Reliefs und auch Stein- und Holzskulpturen ausgestellt, ebenso Skizzen und Zeichnungen.

Empfehlung: Auf jeden Fall ins Museum Holthausen!

Dieses Museum müsst ihr euch auf jeden Fall mal anschauen. Der Einblick in den örtlichen Schieferbergbau wird euch ebenso faszinieren wie der geschichtliche Hintergrund zur Wirtschaftsentwicklung im Sauerland. Besonders die Kunstausstellung schafft es, den Bezug zur Heimat herzustellen. Eine Museumsralley bietet auch für Kinder eine sehr schöne Abwechslung und Unterhaltung.

Heimatmuseum Holthausen Schmallenberg Sauerland
Ein Relikt von ca. 1979/80: eine Jukebox, die nach Geldeinwurf die ausgewählte Musik abgespielt hat.

Die Öffnungszeiten und Preise findet ihr auf der Internetseite des Museums. Regelmäßig werden auch Sonderausstellungen mit verlängerten Öffnungszeiten angeboten. Im Museum gibt es einen Aufzug, sodass Kinderwagen und Rollstuhl kein Problem sind. Das Museum findet ihr in Schmallenberg-Holthausen gegenüber der katholischen Kirche. Ich wünsche euch einen spannenden Besuch im Westfälischen Schieferbergbau- und Heimatmuseum Holthausen!

Du bist wissbegierig? Dann schau doch mal in den Sauerland-Pyramiden in Lennestadt vorbei. Dort kannst du richtig interessante Ausstellungen zu wissenschaftlichen und grenzwissenschaftlichen Themen anschauen. Im Besucherbergwerk Ramsbeck kannst du mit einer Grubenbahn in den Stollen fahren – ein besonderes Erlebnis! Eine Liste mit 5 spektakulären Museen im Schmallenberger Sauerland habe ich dir auch zusammengestellt. Viel Spaß!

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

2 Gedanken zu „Auf den Spuren der Sauerländer“

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