Das Geheimnis vom Löffel

Besteckmuseum Fleckenberg Sauerland

Löffel, Gabel und Messer, wo kommen die eigentlich her? Habt ihr euch das nicht auch schonmal gefragt? Ich weiß es jetzt. In der alten Besteckfabrik in Fleckenberg habe ich in der Vorführung einiges gelernt. Jetzt weiß ich woher der Löffel kommt! Verdammt interessant, dieses technische Museum – und ratet mal, was ich nun Zuhause habe…

Eisig-bibber-kalt. Draußen ist es geschätzt -10°C, und der Wind fühlt sich noch kälter an. Ich laufe gerade vom Parkplatz über den kurzen Fußweg zur Besteckfabrik, wo ich heute den Weg vom Blech zum Löffel in einer Vorführung verfolgen kann. Ich überquere die Lenne über eine kleine Brücke – die Lenne ist sozusagen der „Energielieferant“ vom technischen Museum. Alle Maschinen werden von Wasserkraft angetrieben und es wird sogar noch Strom ins Netz eingespeist!

Von Eisen zu Edelstahl

Das Gebäude der ehemaligen Fabrik ist nun unvorstellbare 150 Jahren alt und befindet sich seit 1938 im Besitz des Besteckfabrikanten Carl Hesse. In der Zeit von 1938-1972 wurde hier in Serienproduktion mit etwa 40 MitarbeiterInnen Besteck produziert. Bis 1960 etwa wurde Eisenblech benutzt, also musste das dann noch als Rostschutz vernickelt und verchromt werden (galvanisches Verfahren). Dank rostfreiem Edelstahl konnten diese Arbeitsschritte ab den 1960er Jahren entfallen. Ich freue mich auf die Führung durch das Museum! Jetzt erfahre ich nicht nur, wie aus Blech ein Löffel wird, sondern kann sogar live dabei sein.

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Das Blech als Rohstoff

Die Vorführung beginnt beim Rohmaterial, also dem Edelstahlblech. Es sieht aus, wie Metall eben aussieht: leicht silberfarben und etwas glänzend. Hm, damit soll man am Ende Eis essen und Kaffee umrühren können? So ganz glauben kann ich das noch nicht. Die Blechstücke bezog die Firma Carl Hesse KG früher aus Solingen. Sie waren bereits geschnitten auf eine Breite von etwa 300 mm und sind etwa 2 mm dick. Hört sich dünn an, aber glaubt mir, für einen Löffel ist das doch etwas zu viel.

Aus den Blechen wird zuerst der Rohling ausgestanzt, der nun mehr an einen Eisstiel erinnert als an den Eislöffel, welchen unser Museumsführer Paul Wulf in der Vorführung herstellt. Ein schmaler, länglicher Stiel mit einer eckigen, etwas breiteren Spitze entsteht, wie ein Spachtel sieht er aus. Es werden pro Hub immer zwei Rohlinge direkt nebeneinander gestanzt. So entsteht nämlich kein Verschnitt.

Die Löffelschale wird geformt

Die nächste große Maschine ist eine Pendelwalze, die den oberen Teil des Rohlings bearbeitet. Den Abstand zwischen den Walzen stellt man an einem großen Rad über der Maschine ein, dann wird der Rohling eingelegt – zwei Sekunden später ist der obere Teil des Rohlings dünner und breiter. Jetzt erkenne ich, dass der etwas eckige Teil des Rohlings mal die Löffelschale werden soll.

Mit der nächsten Stanze wird es nun rund. Der Rohling wird in die Maschine einlegt, dann tritt Herr Wulf auf das Pedal – zack, es wird rund ausgestanzt und hier entsteht das einzige Stück Abfall: ein schmaler Kranz aus Blech, der in einen Eimer fällt und wieder eingeschmolzen werden kann. Damit es ein richtiger Löffel wird, brauchen wir die Presse: mit 60 Tonnen Kraft formt sie die Löffelschale tiefer. Jetzt könnte man denken: „Fertig ist der Löffel!“ Aber weit gefehlt. Der Löffel hat noch keinen geschwungenen Stiel, die Prägung ist noch nicht drauf und die Kanten sind auch noch nicht geschliffen. Ein wenig mehr Glanz kann der Löffel auch noch vertragen!

Die Löffelschale wurde hier tiefer gepresst.

Vom Prägen, Stempeln und Schleifen

Also wird nun erstmal die Rückseite des Stiels mit dem Stempel versehen. Die Eislöffel bestehen aus Edelstahl, daher wird „18/10“ eingeprägt. Außerdem bekommt der Löffel noch den Jubiläumsstempel aus dem Jahr 2010, also steht hinten drauf „10 Jahre Technisches Museum Fleckenberg“, natürlich mit dem Wappen von Fleckenberg. 

Die nächste laute Maschine, die 90-Tonnen-Spindelpresse, erfüllt zwei Aufgaben: die Verzierung wird vorne auf den Stiel geprägt und der Löffel wird gebogen. Jetzt hat der Löffel zwar seine endgültige Form, aber ganz fertig ist er noch nicht. Beim Stanzen entstehen unebene Kanten, die noch abgeschliffen werden. Wir stehen an der Schleifmaschine und man kann es auch genau riechen: mich erinnert der Geruch an einen Winkelschleifer und es fliegen sogar ein paar Funken, wenn Herr Wulf die Kanten des Löffels bearbeitet.

Danach wird poliert und verpackt!

Nun sind die Kanten ebenmäßig, aber der Löffel ist noch ein wenig matt. Daher wird er noch mit der Poliermaschine auf Hochglanz gebracht. Die Polierscheiben aus Sisal und Nessel werden mit Polierpasten imprägniert und so ist die Oberfläche nach den Poliervorgängen schön glatt. Zwischen den einzelnen Schleif- & Poliervorgängen hat man das Besteck gereinigt. In den 1960er Jahren wurde das Polieren durch ein elektrolytisches Verfahren ersetzt.

Früher wurde das fertige Besteck dann im Obergeschoss verpackt. Hier haben fast ausschließlich Frauen gearbeitet, die das Besteck nochmals kontrolliert und in Seidenpapier & Pappkartons zusammengepackt haben. So wurde es dann per Bollerwagen zum damaligen Bahnhof in Fleckenberg gebracht.

Links seht ihr den polierten & glänzenden Löffel, rechts den unbearbeiteten Löffel.

Die Schlosserei im Obergeschoss

Im Obergeschoss des Gebäudes besichtigen wir die Schlosserei. Über eine knarrende Holztreppe geht es hoch und wir stehen zwischen weiteren Maschinen, die alle noch aus der Zeit der aktiven Produktion stammen. Hier wurden zum Beispiel neue Werkzeuge hergestellt und ältere repariert und geschliffen. Die Schlosser sorgten für die Maschinen und technischen Einrichtungen in der Fabrik. Ein Schnittmacher kümmerte sich um die Werkzeuge der Rohlingstanzen und Blechschneider.

In Fleckenberg wurden 28 verschiedene Besteckserien hergestellt, also gab es auch eine Menge Prägestanzen für jedes einzelne Besteckteil. Wenn ein neues Muster auf den Markt kam, mussten natürlich auch neue Prägestanzen hergestellt werden. Bis zu einem halben Jahr konnte das dauern! Der Graveur hat mit vielen Kleinwerkzeugen immer wieder an den einzelnen Formen gearbeitet.

Die Messer-Herstellung im Obergeschoss

Wir haben in der Vorführung gesehen, wie Löffel hergestellt werden. Fast alle anderen Teile vom Besteck wurden so oder so ähnlich hergestellt, bis auf Messer. Nur der Griff stammt aus Fleckenberg, denn die Klinge bezog man fertig aus Solingen! Paul Wulf erklärt es uns ganz genau, wie man damals Messer hergestellt hat.

Der Griff bestand aus zwei Teilen, die einzeln geprägt wurden. Dann wurden die beiden Teile aufeinander geschweißt, wobei die Schweißkante natürlich sehr ordentlich glatt gemacht und poliert wurde. Der hohle Griff wurde mit Sand und etwas Harz gefühlt, obendrauf kam ein wenig Blei, dann steckte man die Solinger Messerklinge drauf – fertig ist ein hochwertiges Messer, denn die Solinger Messerklinge war damals sehr teuer.

Das Ende der „Löffelfabrik“ und der Beginn des Museums

Leider wurde die Konkurrenz im Laufe der Zeit härter und so hat man die Serienproduktion in den 1970er Jahren einstellen müssen. Bis in die 1980er Jahre hat Carl Hesse alleine in der Firma weitergearbeitet, bevor er aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hat. Heute produzieren die ehrenamtlichen Helfer hier nur noch Eislöffel und Kaffeelöffel, die man im Museumsshop kaufen kann. Ich habe mir einen Eislöffel gegönnt – mein neuer Lieblingslöffel 🙂

Die so gut wie vollständig erhaltene Besteckfabrik wurde 1990 unter Denkmalschutz gestellt. Der Heimatverein Fleckenberg entschied dann im Jahre 1997: Hier muss ein Museum entstehen! Also wurde die Fabrik innerhalb von drei Jahren renoviert und das technische Museum wurde 2000 eingeweiht. Allein im letzten Jahr (2017) haben über 5.000 Besucher den Weg vom Blech zum Löffel verfolgt!

Der Heimatverein Fleckenberg freut sich sehr über euren Besuch in der Besteckfabrik. Die genauen Öffnungszeiten findet ihr hier. Als besondere Erinnerung könnt ihr für einen kleinen Obolus einen Eislöffel und/oder einen Kaffeelöffel erwerben. Weitere Museen im Schmallenberger Sauerland stelle ich euch hier kurz vor.

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

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