Glück Auf aus Ramsbeck!

Besucherbergwerk Ramsbeck Sauerland

Schon seit 44 Jahren kann man im Besucherbergwerk Ramsbeck die Bergbau-Geschichte am Ort kennenlernen. Mehr noch, man kann sie anfassen! Nach einer abenteuerlichen Fahrt in den Berg erfährt man am Ort des Geschehens noch viel mehr, als jedes Museum der Welt zeigen kann. In der originalen Grubenbahn aus den 1950er Jahren geht es 1,5 Kilometer weit den Stollen: 300 Meter Berg über uns! Ich bin mir sicher: Das wird ein unvergessliches Erlebnis!

Die Lohnhalle und eine Truhe mit „sieben Siegeln“

Es gibt keine festen Abfahrten in den Berg und so war die Grubenbahn erst eine Viertelstunde vor meiner Ankunft abgefahren. Das heißt: Ich kann gemütlich im Museum alles anschauen, bevor ich mit den anderen Besuchern zur Umkleide gehe, wo dann der Helm und die Jacke ausgegeben werden. Ich beginne meinen Museumsrundgang in der Lohnhalle. Hier kann man die Lohntruhe anschauen, in der der Lohn der Arbeiter aufbewahrt wurde. Dreimal im Monat haben die Kumpel den Lohn ausgezahlt bekommen. Die Truhe war mit einem siebenfachen Schließmechanismus gesichert! So konnte man sie kaum knacken. Die Truhe sieht sehr beeindruckend aus!

Kinderarbeit in Ramsbeck: die „Erzengel“

In Schaukästen kann man viele Dokumente bewundern, die aus der Zeit des aktiven Bergbaus in Ramsbeck stammen. Unter anderem habe ich da erfahren, dass in Ramsbeck auch Kinder gearbeitet haben. Sie wurden als „Erzengel“ bezeichnet, denn sie haben das abgebaute Material aus den Bergbaustollen aussortiert nach sogenanntem taubem (wertlosem) Gestein und wertvollem Erz. Sie erhielten zwar nur einen kleinen Lohn, aber trotzdem trug das Geld zum Lebensunterhalt der Bergarbeiterfamilien bei.

Glitzernde Mineralien und Erze

Wenn ihr durch das Museum schlendert in Richtung Umkleiden, dann kommt ihr an einem Raum mit vielen Informationen über die Bodenschätze und die Erdgeschichte vorbei. Die Bodenschätze und ihre Lage im Boden werden erklärt. In großen Glasschränken könnt ihr viele Bodenschätze wie Erze und Mineralien ansehen. Ich habe mir fast die Nase plattgedrückt, weil ich diese glitzernden Erze und Kristalle so wunderschön finde! Ausgestellt sind zum Beispiel Silbererze und Bleierze, Erze mit Zink und Quarze und auch mir bisher unbekannte und teilweise auch schwer auszusprechende Mineralien wie Sphalerit, Boulangerit, Chalkopyrit und Semseyit.

Ich finde die ausgestellten Stücke eindrucksvoll, erst recht wenn man bedenkt, dass die allermeisten auch in Ramsbeck gefunden wurden! Die Bergarbeiter waren auf der Suche nach Blei und Zink, stattdessen hat sich ihnen auch die schöne Welt der Minerale und Schmuckerze geöffnet.

Waschkaue, Maschinen und Arbeitsmittel

Die Waschkaue ist der Umkleide- und Waschraum der Bergmänner. Hier befinden sich an der Decke noch die Metallkörbe, in denen die Arbeiter ihre Kleidung gelagert haben. Mit einer Kette konnten sie die Haken senken, die Kleidung aufhängen und wieder hochziehen. Zuerst wusste ich nicht, wofür diese „Hülsen“ an der Decke gedacht sind. Die sehen schon recht komisch aus, oder?

Hier in der Waschkaue bemerke ich einen anderen Geruch. Es riecht ein wenig nach Staub oder nach Metall, wie in einer Fabrik. Als ich um den Schaukasten mit den historischen Werkzeugen herum gehe, sehe ich auch den Grund: Es gibt noch eine Maschinenhalle! Hier stehen einige moderne und ältere Maschinen, die im Bergbau verwendet wurden.

Unter Tage konnte man das Gestein mit gezielten Feuer-stellen brüchig machen und so schneller Gänge durch den Berg anlegen.

Dann höre ich ein merkwürdiges, knisterndes Geräusch aus der Waschkaue. Ich gehe zurück und sehe, dass ein älterer Herr vor einem Holzstapel steht. Hier ist eine interaktive Station. Es kommt ein wenig Rauch aus dem Stapel und mit dem knisternden Geräusch und einer orangen Lampe im Stapel entsteht die Illusion, als würde der Stapel brennen. Früher wurden solche Feuer im Stollen genutzt, um das Gestein brüchig zu machen und den Gang-Bau im Fels zu beschleunigen.

In den Schaukästen sehe ich noch weitere Arbeitsgeräte der Bergmänner, zum Beispiel abgenutzte Schaufeln, Hacken und Beile. Auch verschiedene Lampen sind ausgestellt. Unvorstellbar, dass man damit unter Tage gut sehen konnte!

Und da kommt das Signal!

Alle Besucher begeben sich in Richtung Umkleide. „Hier bitte einen Helm nehmen und richtig einstellen, die Jacke gibt’s bei meinem Kollegen!“, begrüßt uns der Museumsführer Frank Hermes. Mein Helm ist noch etwas zu weit und ich muss ihn noch einstellen. Jetzt sitzt er gut! Mit der Jacke zusammen fühle ich mich wie ein Bergmann. Nun geht es Richtung „Bahnhof“, wo schon die Grubenbahn auf uns wartet.

Es geht los…!

Die Wagen sind recht niedrig und ich muss mich ducken, um mir nicht den Kopf zu stoßen. Ich bin ja recht klein und viel Platz bis zur Decke bleibt nicht. Wie soll da erst ein großer Mann Platz finden? Die Gittertüren werden noch zugeschoben und der Zug setzt sich in Bewegung. Und wie! Es holpert und ruckelt sehr! Zuerst ist noch Tageslicht zu sehen, dann kommt der Fels rechts und links näher. Ich schätze, so etwa alle 100 Meter hängt eine Lampe, die den Weg erhellt. Die Luft wird langsam immer kälter und mir fröstelt es ein wenig. Manchmal sieht man kleine Rinnsale am Gestein im Vorbeifahren. Der Zug fährt polternd immer weiter in den Berg hinein.

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300 Meter Berg über uns

Und dann sehe ich weiter vorn mehr Lampen, ich glaube die Fahrt ist gleich zu Ende. Neben den Schienen fließt Wasser her, da muss ich gleich mal fragen wo das herkommt und wo es hingeht! Die Türen werden geöffnet und wir klettern aus den Wagen. Das Wasser fließt aus dem Berg heraus, wie Frank uns erklärt. Wir sind nämlich mit einer kleinen Steigung bergauf gefahren, damit das Wasser ganz natürlich hier aus dem Berg fließen kann! Auf dieser Höhe, wo wir uns befinden, ist nämlich ungefähr das Grundwasser. Über uns sind 300 Meter Berg und wir befinden uns etwa unter dem Freizeitpark Fort Fun. Allein der Weg bis hier hin war schon schwierig. Kaum vorstellbar, wie man auch noch Werkzeug und Ausrüstung transportieren soll in den kleinen Waggons!

Endlich angekommen! Unter dem Gitter im Boden fließt das Wasser in Richtung Ausgang.

Unser Gruppenführer Frank führt uns durch das Bergwerk. Überall tropft Wasser und diese feuchte Luft kommt mir so unheimlich kalt vor. Hier unten ist es ganzjährig etwa 10°C, aber trotz Winterjacke friere ich. Es riecht etwas muffig hier unten und – schwer zu beschreiben – irgendwie nach Felsen und Steinen! Ein leichter Luftzug lässt mich das Gefühl vom „unter Tage sein“ vergessen. Frank führt uns durch den Eickhoffstollen im Dörnberg zu den wichtigsten Stationen der Förderanlagen. Bis ins Jahr 1974 wurden hier jährlich etwa 500.000-600.000 Tonnen Roherz gefördert! Das sind unvorstellbare 2.000 Tonnen pro Tag, wie wir erfahren. Der Erzgehalt lag bei nur 3% vom geförderten Gestein.

Ein großer Strom-Umformer und ein noch größerer Aufzug

Neben einem großen Leonard-Strom-Umformer sehen wir auch eine große Fördermaschine, eine Art Aufzug, der die Förderwagen aus den unteren Sohlen auf unsere Höhe zieht. Natürlich ist das Ganze ein wenig komplizierter, denn es funktioniert mit Umlenkrollen und langen Stahlseilen. Die vollen Wagen mussten mit dem Aufzug von bis zu 420 Meter Tiefe auf unsere Höhe gezogen werden. Hier befindet sich nämlich das Förderband, auf welchem das Gestein dann zur Aufbereitungsanlage transportiert wird! Ein solcher Aufzug ist dreistöckig und wird nicht nur für das abgebaute Material benutzt. Auch die etwa 150 Kumpel pro Schicht wurden mit dem Aufzug an ihren Arbeitsplatz befördert.

Da ist ein ganzer Hennesee drin!

Nach der Schließung des Bergwerks wurden die unteren Sohlen mit Wasser geflutet. Unvorstellbare 33 Millionen Kubikmeter Wasser befinden sich dort unten im Berg! Das entspricht in etwa dem Hennesee, der vollgefüllt etwa 36 Millionen Kubikmeter Wasser hat. Das Wasser dort unten hat Trinkwasserqualität, wie uns Frank erzählt. Die Sohlen wären durch das Grundwasser und den Regen sowieso schnell mit Wasser gefüllt. Daher wird heute das Wasser ungefähr ab der Grundwasserlinie abgepumpt, um das Besucherbergwerk weiterhin begehbar zu halten. Wir sehen auch noch die Kippstation, an das abgebaute Gestein umgefüllt wurde auf das Förderband. Nach etwa einer Stunde unter Tage sind wir am Ende der Führung angelangt. Mit der rappelnden und holpernden Grubenbahn geht es zurück aus dem Berg ans Tageslicht.

Hier wurden die Waggons mit dem abgebauten Gestein ausgekippt.

Meine Empfehlung: Ab ins Besucherbergwerk!

Hier wartet ein unvergesslicher Tag auf euch! Ob Jung oder Alt, Groß oder Klein, hier kann jeder einen spannenden Tag verbringen. Denkt unbedingt an warme Kleidung, denn die Temperaturen im Bergwerk betragen ganzjährig etwa 10 °C! Mir war es sogar in der Winterjacke recht kühl in Verbindung mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Ihr könnt das Bergwerk von Dienstag bis Sonntag besuchen. Zwischen 9 und 17 Uhr könnt ihr in das Museum, die letzte Einfahrt in den Berg findet gegen 16 Uhr statt. Hier findet ihr aktuelle Informationen über das Besucherbergwerk Ramsbeck.

Es gibt auch einen Bergbauwanderweg rund um Ramsbeck mit etwa 10 Kilometern Länge! Mehr als 40 Infotafeln und Pulte informieren über die noch vorhandenen Flächen, Gebäude und Baudenkmälern aus dem Bergbau.

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

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