„Der Kaffee schmeckt sogar einem Kakao-Trinker!“

Birkenhof Rösterei Holthausen Sauerland

Mitten im verschneiten Schmallenberger Sauerland liegt das kleine Landcafé Birkenhof in Bad Fredeburg-Holthausen. Ich habe bereits von der Kaffee-Rösterei gehört, die es hier gibt und bin wahnsinnig neugierig, was mich dort erwartet! Den Duft von frisch gemahlenen Kaffeebohnen habe ich schon immer geliebt. Von außen sehe ich schon die tolle Theke und die Einrichtung im Stil der 60er Jahre!

Wow, ist das schön hier! Die bunten Stühle und besonders der Retro-Kühlschrank verzaubern mich direkt! Der große Kaffeeröster steht direkt neben dem Eingang. Auf dem Regal zwischen den Tischen und an den Wänden stehen viele Utensilien für die Kaffeezubereitung, wie zum Beispiel eine Kaffeepresse und ein Porzellan-Handfilter. Auf der Theke stehen Handkaffeemühlen, mit so einer hab ich auch schon viel Kaffee gemahlen bevor meine Mutter eine elektrische Mühle bekam.

Und überall sind die riesigen Kaffeesäcke! Hier sieht man sofort: Ein Kaffeeliebhaber hat sich einen Traum erfüllt. Der aromatische Duft von Kaffee liegt in der Luft und Christian Heßmann, der Barista hier im Café Birkenhof, füllt gerade Kaffeebohnen für den Verkauf ab. Dann geht er wieder an einen großen Kaffeesack und wiegt erneut Bohnen ab, nun allerdings grüne Kaffeebohnen. Genau vier Kilo sind es, die er neben dem Kaffeeröster bereitstellt. Ich spüre ein kleines Kribbeln im Bauch, denn gleich gehts endlich los: der Röster wird schon vorgeheizt.

Der Trend: Tee aus grünen Kaffeebohnen

Unser Barista Christian hat uns einen aktuellen Trend serviert. Tee aus gemahlenen, grünen Kaffeebohnen! Er schmeckt nach Gras & Heu, aber definitiv nicht nach Kaffee. Kein Wunder, die Bohnen sind auch ungeröstet! Ein Jahr lang hat Christian Heßmann seine Röstprofile für die Kaffeesorten perfektioniert. Jeden Kaffee kann man für unterschiedliche Zubereitungsarten rösten, sodass eine Bohnesorte nicht nur zu Espresso, sondern auch zu Filterkaffee verarbeitet werden kann.

Ein Tee aus grünen Kaffeebohnen

Kaffeeröstung – mindestens 12 Minuten bei 200 Grad

Die abgewogenen grünen Kaffeebohnen warten auf den 200 Grad heißen Trommelröster. Vorher allerdings dürfen wir noch an den Bohnen riechen! Eins kann ich euch sagen, nach Kaffee riechen diese Rohbohnen nicht, sondern eher wie getrocknete Erbsen. Die Bohnen sind auch sehr hart und man kann sich daran wirklich die Zähne ausbeißen. Von Christian erfahren wir auch den Grund dafür. Erst durch die Röstung wird das Wasser in der Bohne zum Verdampfen gebracht, sodass diese aufknackt. Die etwa 800 Aromen, die in der Bohne eingeschlossen sind, entfalten sich dann erst richtig! Christian röstet im traditionellen Verfahren, also mindestens 12 Minuten.

Endlich ist der Röster heiß genug und die Bohnen dürfen hinein. Sie sollen als Espresso geröstet werden und brauchen daher etwa 18 Minuten. Sie verfärben sich während diesem Vorgang von grün zu dunkelbraun. In der industriellen Röstung werden die Bohnen in nur etwa 90 Sekunden bei 400-500 Grad geröstet. Der Unterschied von der traditionellen Röstung zur industriellen Röstung liegt in den Aromen und dem Geschmacksprofil. Christian Heßmann kitzelt die Aromen also langsamer und bei niedrigeren Temperaturen aus den Bohnen heraus.

Popcorn, Kirschkernkissen und Kaffeebohnen

Nur eine kleine Veränderung sehen wir bei einer ersten Probe nach 4 Minuten: Ich darf eine Bohne in die Hand nehmen und sehe, dass sie nur leicht braun geworden ist. Sie riecht immer noch nach Heu und nun auch wie ein erwärmtes Kirschkernkissen. Das ist normal, erklärt uns Christian, denn bei der Kaffeebohne handelt es sich um den Kern der Kaffeekirsche. Das wusste ich bisher nicht!

Nach und nach werden die Bohnen dunkler und schon kurz darauf hören wir es: Das Knacken! Der „First Crack“ klingt für mich wie eine Popcornmaschine. Ich darf wieder eine Bohne in die Hand nehmen und nun ist die Farbe deutlich dunkler und es riecht wie – gerösteter Toast! Christian sagt, dass die Bohnen nach der Röstung noch ein paar Tage Ruhezeit brauchen, bis sie wirklich wie Kaffee riechen… Wusstet ihr das?

Ich nehme die Bohne in den Mund und kaue ein wenig. Sie schmeckt nur ganz leicht nach Kaffee, dafür aber sehr nach Röstaromen. Ich bin gespannt, wie sich der Geschmack bis zum Ende des Röstvorgangs noch verändert. Wenn aus den Bohnen Filterkaffee wird, dann müssten sie nun nach dem „First Crack“ aus dem Röster genommen werden. Da Christian ja heute Espresso röstet, dürfen die Bohnen noch weiter in der Hitze verweilen. Nach ein paar Minuten hört man auch schon das zweite Knacken. Jetzt ist die Bohne kräftiger geröstet und besitzt die für den Espresso benötigten Bitterstoffe.

So sehen die verschiedenen Röstgrade aus, beginnend von grau-grün bis dunkelbraun.

Die Suche nach den Fremdkörpern im Kaffeehaufen

Die etwa 18 Minuten sind nun vorbei und der Kaffee findet durch die Klappe unten in der Trommel den Weg in ein Sieb zum Auskühlen. Das habt ihr sicher schonmal gesehen, wie der Kaffee darin im Kreis gewälzt wird! Durch die kalte Luft kühlt der Kaffee im Sieb schonend ab, in der Industrie werden die Bohnen mit Wasser gekühlt (weil sie durch die höheren Röst-Temperaturen nicht nur durch die Luft abkühlen).

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Christian kann gleichzeitig nach beschädigten Bohnen und Fremdkörpern Ausschau halten. Diesen Schritt gibt es so nicht in der Industrie, wie Christian erklärt. Im Kaffee sind bis zu 5% Fremdkörper erlaubt, aber Christian will 100% Kaffee verkaufen, nicht nur 95%. Diese bis zu 5% Fremdkörper setzen sich in der Industrie durchaus zusammen aus Wasser und beschädigten oder verbrannten Bohnen, aber auch andere kleine Fremdkörper wie vielleicht Steinchen, Pflanzenteile oder ähnliches.

Mich erinnert der Geruch der frisch gerösteten Espressobohnen wieder an einen Toast, diesmal allerdings an ein sehr dunkles. In ein paar Tagen wird der Kaffee sehr gut riechen, wie wir an einem Eimer gerösteter Bohnen vom vergangenen Wochenende bemerken können. Auch diese dunkle Röstung war etwa 18 Minuten in der Trommel und riecht nun fantastisch nach Kaffee! Da bekommt man direkt Lust auf eine Tasse des köstlichen Heißgetränks.

Spezialitäten-Kaffee und Bohnen-Sorten

Der Kaffee von Christian zum Beispiel ist viel magenschonender und hat, durch die kürzere Röstung, mehr ausgebildete Aromen mit weniger Säure. Auch der Koffeingehalt ist anders, daher ist der Kaffee auch schonender für koffeinempfindliche Kaffeetrinker. Kurioserweise kann man ganz grob sagen, dass Menschen im nördlichen Europa eher hell gerösteten Kaffee trinken und im Süden eher dunkel gerösteter Kaffee geliebt wird. Das könnte zum Beispiel an der Lebensart liegen oder einfach am Geschmack.

Und was den Geschmack angeht, so ist es sowieso ein großer Unterschied, welche Sorte man gerne mag! Es gibt nämlich die Arabica-Bohnen und die Robusta-Bohnen. Die Robusta-Bohne wird häufig als minderwertig angesehen, allerdings ist das definitiv nicht so! Die Pflanze ist einfach widerstandsfähiger als die Arabica-Pflanze, und verträgt die Temperaturen besser, daher stammt auch der Name. Zudem gibt es auch noch sogenannte Perlbohnen, das heißt, in der Kaffeekirsche sind nicht 2 Bohnen, sondern nur eine. Christian bezieht seine Kaffee-Rohbohnen derzeit aus 6 Anbaugebieten und jede Sorte röstet er ganz individuell.

Neben den sortenreinen Kaffees bietet die Rösterei auch Mischungen an.

Tipps für Zuhause vom Profi!

Für den perfekten Kaffeegenuss zu Hause hat Christian uns noch ein paar Ratschläge gegeben. Die musste ich natürlich für euch aufschreiben!

  • Die Bohnen am besten erst kurz vor der Zubereitung mahlen, denn im gemahlenen Zustand hat das Pulver mehr Kontakt zur Luft und dann verflüchtigen sich die Aromen sehr schnell.
  • Eine luftdichte Dose ist zur Aufbewahrung am besten. Wer gemahlenen Kaffee benutzt, sollte den Kaffee besser in der Tüte lassen und dann in die Dose packen. Bloß nicht umfüllen, denn dabei fliegen wieder zu viele Aromen in die Luft statt in den Kaffeefilter.
  • Ein Kaffee-Vollautomat ist also eine super Erfindung. Ihr müsst nur aufpassen, dass eure Bohnen nicht zu ölig sind (das erkennt ihr daran, wenn die Bohnen ölig glänzen), denn das Öl kann sich im Mahlwerk absetzen und wird dann ranzig. Der Kaffee schmeckt dann überhaupt nicht mehr, auch wenn ihr einen sehr guten Kaffee gekauft habt!
  • Wenn euer Kaffee auf der Verpackung als „Hochlandkaffee“ bezeichnet wird, dann habt ihr einen besonderen Kaffee gekauft. Denn die Pflanzen wachsen im Hochland ab circa 1000 Metern und haben daher eine längere Reifedauer. Sie produzieren also auch über das Jahr gesehen weniger als eine Pflanze, die bei 800 Metern ü.N.N. wächst. Daher ist der Hochlandkaffee teurer und geschmacklich feiner.

Auch überzeugte Kakao-Genießer mögen Kaffee…

Christian hat uns eine Tasse vom Äthiopien Didu im Handfilter zubereitet. Dieser Kaffee wächst in etwa 1800 Meter über N.N. und besitzt wirklich ein ganz feines, überhaupt nicht bitteres Aroma! Das bestätigt auch mein Begleiter, ein absoluter Kakao-Liebhaber (und bekennender Nicht-Kaffeetrinker 😉 ). Dieser Kaffee hat ihn ein wenig davon überzeugt, dass Kaffee schmecken kann. Ich habe also direkt ein Päckchen Kaffee mitgenommen für Zuhause.

Christian Heßmann brüht uns einen frischen Espresso im Handfilter auf.

Euer Besuch im Landcafé Birkenhof

Die Kaffee-Rösterei im Landcafé Birkenhof in Bad Fredeburg-Holthausen ist wirklich einen Besuch wert! Hier könnt ihr direkt die Spezialitätenröstung probieren und dazu gibt es mit Liebe gebackenen Kuchen. Hier findet ihr noch weitere Infos über das Landcafé, hier stellt sich die Rösterei auf einer eigenen Seite vor und ihr könnt auch online im Sortiment stöbern und euch beliefern lassen.

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

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