Winterwunderland am Kyrill-Pfad in Schanze

Bei dem tollen Winter-Wetter mit Sonnenschein in dieser Woche musste ich einfach eine kleine Schnee-Wanderung machen. Ich überlege also ein bisschen und da kommt mir der Kyrill-Pfad in den Sinn! Noch nie war ich in Schanze, also ist das die perfekte Gelegenheit. Ich ziehe meine dicke Jacke an, schnappe mir meine flauschigen Kuschelhandschuhe und die Bommelmütze – ab gehts nach Schanze!

Von Grafschaft aus führt eine Straße nach Schanze, immer den Berg hinauf. Auf dem Wanderparkplatz am Ortseingang stelle ich mein Hildemobil ab und steige aus. Könnt ihr euch vorstellen, was mir beim Aussteigen sofort auffällt? Hier oben, etwas weiter weg von Schmallenberg, hört man keine Autos, keine LKWs, einfach keinen Verkehrslärm! Hin und wieder rascheln die Bäume ein wenig vom leichten Wind. Ein-, zweimal höre ich ein Knacken im Wald-Dickicht. Eine märchenhafte Ruhe hier oben, die ich erstmal einen Augenblick genießen muss! Vom Parkplatz aus hat man einen tollen Ausblick in Richtung Latrop. Der Himmel ist klar und am Horizont ist es etwas diesig. Ich weiß jetzt schon: Der Sonnenuntergang wird heute wirklich phänomenal.

Die Sonne leuchtet am hellblauen Himmel

Sonnenschein im Winter

Bei wunderschönstem Winter-Wetter laufe ich durch Schanze. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonnenstrahlen kitzeln mich im Gesicht, der Schnee glitzert auf den Häuserdächern und ich folge der Straße zum Kyrill-Pfad. Heute sind viele Spaziergänger unterwegs, manche auch mit Hunden. Am Rodelhang nutzen ein paar Mütter mit Kindern das traumhafte Wetter zum Schlittenfahren. Schon von Weitem kann ich den Krummstab sehen, eine Skulptur vom WaldSkulpturenWeg. Doch ich erkunde zuerst den Kyrill-Pfad, danach komme ich am Krummstab vorbei.

Orkan Kyrill und Sturm Friederike

Hier in Schanze liegen etwa zehn Zentimeter Schnee und so habe ich die Befürchtung, die Naturgewalt der Kyrill-Nacht nicht komplett wahrnehmen zu können. Das ist aber unbegründet, denn ich nehme die dicken, langen Stämme wahr, die dort auf dem Gelände des Staatsforstes liegen. Natürlich wusste ich, wie die vom Sturm zerstörte Fläche aussehen könnte. Ich habe auch um meinen Heimatort herum viele kahle Flächen gesehen am Morgen des 19. Januars 2007. Ob es mich deswegen weniger beeindruckt? Nein, ich glaube, genau dies macht mich erst auf die Stärke und das Ausmaß vom damaligen Orkan Kyrill aufmerksam.

Der diesjährige Sturm Friederike hat Erinnerungen wachgerufen an den Orkan Kyrill vom Januar 2007. Denn auf den Tag genau 11 Jahre später hat Friederike mit Sturmböen für Angst gesorgt. Nach dem Orkan Kyrill war Schanze für mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten, bis die von Bäumen blockierte Straße freigeräumt war. Um zum Kyrill-Pfad zu gelangen, muss man den ganzen Ort durchqueren. Alles geradeaus, man kann ihn wirklich nicht verfehlen! Beim Waldanfang sieht man dann links die Ranger-Hütte, dort startet der Weg durch das zerstörte Waldstück. Über dem Anfang des Pfades steht ein Schild: „Kyrill-Pfad“.

Der beeindruckende Pfad

Der Kyrill-Pfad ist teilweise erst durch Bretter, teilweise durch Erhöhungen und Stege begehbar. Einige erhöhte Plätze wurden zur besseren Orientierung und Übersicht in vielen Arbeitsstunden geschaffen. Durch den Sonnenschein und den glitzernden Schnee ist die Stimmung hier beinahe winterlich-schön. Mich aber stimmt es auch traurig, weil ich so beeindruckt bin von der Kraft, die diese Orkan-Böen in der Januar-Nacht 2007 hatten. Trotz der Schneedecke und dem tollen Wetter wird mir die Dramatik der Waldfläche bewusst. Diese Menge an umgefallenen Bäumen! Ein paar Stunden mit Böen haben gereicht, um im Hochsauerland etwa 4 Millionen Festmeter Holz wie Streichhölzer umfallen zu lassen. Ich liebe mein Sauerland mit den ganzen Fichten und den tausend Bergen. Und genau diese Liebe in Zusammenhang mit dieser vorgeführten Zerstörung beschert mir Tränen in den Augen.

Hier wurden Stücke aus dem Stämmen gesägt, damit der Pfad sich durchschlängeln kann. Die Stämme haben teilweise einen Durchmesser von fast einem halbem Meter!

Das Sauerland hat sehr gelitten unter dem Orkan Kyrill. Diese Menge an Holz, die plötzlich zur Verfügung stand, musste auch schnell verarbeitet werden, denn sonst wäre das Holz dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Damals habe ich das nicht so richtig verstanden, wie verheerend der Orkan war. Schaut man sich aber Fotos von den Kyrill-Schäden an, dann wird dieses Ausmaß doch realistischer und verständlicher. Es gab plötzlich nach wenigen Stunden mehr als 4-mal so viel Holz, wie in einem normalen Jahr mit 365 Tagen geschlagen wird! Die Folgen für die heimischen Waldbauern waren also wirklich katastrophal. Existenzen standen auf dem Spiel, denn der Holzpreis ist damals auf Talfahrt gegangen. Es hat auch einige Zeit gedauert bis alles wieder aufgeräumt und aufgeforstet war. Die fleißigen Sauerländer haben es aber mit vereinten Kräften geschafft!

Auf dem Kyrill-Pfad sieht man, wie es damals in der Nacht nach dem Orkan ausgesehen hat. Das Waldstück mit etwa 3,5 Hektar Fläche blieb im verwüsteten Zustand nach Kyrill zurück. Ich bin nicht sicher, ob es auf den Fotos so greifbar wird wie es auf mich gewirkt hat, aber glaubt mir: hier seht ihr nicht nur ein paar umgestürzte, entwurzelte Fichten. Ihr seht quer übereinander gefallene und zerborstene Baumstämme. Teilweise beträgt der Stamm-Durchmesser bis zu einem halben Meter und auch etwas mehr. Wer schon mal versucht hat, ein frisch gesägtes Stück Holz mit der Axt zu spalten, der weiß, wie viel Kraft frisches Holz aushält. Vielleicht sind dann die Folgen von Kyrill greifbarer. Ich finde es unvorstellbar, mit welcher Gewalt die Bäume umgeweht wurden und wie diese dann quer übereinander gestürzt sind.

Die Natur nimmt und gibt

Die Ranger und Initiatoren des Kyrill-Pfades legen den Fokus aber nicht auf die Katastrophenstimmung, sondern auf etwas ganz anderes: wie der Wald damit umgeht und was passiert, wenn der Mensch nicht eingreift. Auch das kann ich ganz klar auf dem Kyrill-Pfad erleben. Auf den Fotos könnt ihr es auch gut erkennen! Auf den entstandenen Freiflächen haben sich schon wieder neue Fichten einen Platz erobert und sind schon recht hoch gewachsen. Auch viele Büsche und sehr viele grüne Pflanzen wie Beerensträucher und Gräser haben ihren Platz gefunden in diesem neuen Lebensraum. Das konnte ich unter der dünnen Schneedecke erkennen.

Manchmal führt der Pfad auch durch die teilweise mit neuen Fichten wieder eng bewachsenen Flächen. Die Fichten wurden nicht von Menschen angepflanzt, sondern die Natur hat ganz allein dafür gesorgt! Auch einige Laubbäumchen findet man schon hier und da, zum Beispiel Buche und Ahorn. An vielen Baumstämmen konnte ich auch Baum-Pilze entdecken, die sich definitiv erst nach der Sturmnacht dort angesiedelt haben. Ich bin beeindruckt, wie die Natur nehmen und gleichzeitig auch geben kann.

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Der Krummstab

Nach dem Kyrill-Pfad befinde ich mich nun wieder auf dem Hauptweg, über den auch der WaldSkulpturenWeg verläuft. Unübersehbar neigt sich hier der Krummstab vom Künstler Heinrich Krummack über den Weg. Das Material der über 2,6 Tonnen schweren Aluminiumskulptur wurde vom Mescheder Unternehmen Honsel GmbH & Co. KG gestiftet. Leider war ich allein unterwegs, sonst hätte ich ganz sicher ein Erinnerungsfoto mit entsprechendem Größenvergleich vom Krummstab zu mir! Spätestens im Frühjahr/ Sommer, wenn ich auf dem WaldSkulpturenWeg wandere, bekommt ihr noch Fotos.

Aufwärmen in der urigen Skihütte

Mich führt der Weg nun wieder Richtung Wanderparkplatz. Ich genieße die Aussicht über das wunderbare Land der tausend Berge! Schanze ist wirklich ein märchenhaft-ruhiger Ort. Perfekt für Sonntagsspaziergänge! Zum Aufwärmen nach meiner kleinen Winterwanderung gönne ich mir noch einen heißen Kakao und eine Herzwaffel mit Puderzucker in der Skihütte. Dieses urige Lokal muss man unbedingt besuchen! Echt bayerische Atmosphäre und ein Unikat im Schmallenberger Sauerland.

Man wird in zünftiger Bekleidung bedient, also Lederhose & Dirndl, und fühlt sich sofort wohl in der Hütte. Im Gastraum steht ein großer, offener Kamin und es ist kuschelig warm. Hier kann ich mich echt super aufwärmen! Meine Waffel ist knusprig, sehr lecker und mit unendlich viel Puderzucker! Lecker, lecker, lecker! 🙂 Auf meinem Kakao hat sich die Sahne durch mein Rühren schon etwas verteilt, aber ich habe trotzdem noch schnell ein Foto für euch gemacht. Auch das Flair in der Hütte ist besonders: Backformen, Milchkannen, Schneebesen, Laternen, Töpfe und noch sehr viel mehr hängt an der Decke. Ich habe sogar eine altes Waschbrett gesehen! In der Skihütte serviert man neben Kuchen und Heißgetränken natürlich auch herzhafte Speisen und allerlei Spezialitäten wie Brotzeit-Variationen, Bratkartoffeln und Leberkäs.

Insgesamt ist der Kyrill-Pfad perfekt für eine kurze Wanderung an einem so schönen Wintertag wie heute. Der Weg ist auf etwa 250 Metern barrierefrei angelegt, der Rest ist mit Kinderwagen oder auch Rollstuhl und Rollator nicht zu begehen. Solange eure kleinen Kinder auf den Wegen bleiben und ihr gut auf sie Acht gebt, ist dieser Weg auch für Familien sehr gut geeignet! Hier findet ihr noch weitere Informationen zum Kyrill-Pfad, den ihr auch nach Absprache mit einem Ranger besuchen könnt.

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Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

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