Wilde Hilde trifft auf wilde Tiere

WisentWildnis Rothaarsteig Sauerland

Auf der Suche nach einem Abenteuer hat eure Hilde sich auf den Weg zur einzigartigen Wisent-Wildnis in Wittgenstein gemacht. Eine Herde wurde ausgewildert und streift durch die Wittgensteiner Wälder, die zweite lebt in einem Gehege am Rothaarsteig. Diese Herde von aktuell elf Wisenten (Stand September 2017) hatte es mir angetan. Zuerst konnte ich nur Fichten, Buchen und verschiedenste Büsche und Gräser entdecken… doch zum Ende des Rundwanderwegs sollte sich das noch gehörig ändern. Lest selbst, was ich an diesem herbstlichen Tag alles erleben konnte!

Schon allein der Weg zur Wisent-Wildnis ist eine Fahrt durch tiefste Sauerländer Wälder. Ich fahre von Fleckenberg aus Richtung Jagdhaus, einem kleinen Erholungsort im Schmallenberger Sauerland. Enge Kurven und eine schmale Straße führen mich in Richtung des Geheges. Die Baumkronen formen stellenweise ein Dach, es scheint mir als fahre ich durch einen Baumtunnel.

Während also manchmal die Sonnenstrahlen durch die langsam verwelkenden Blätter blitzen können, ist es ein paar Meter weiter wieder dunkler. Ich komme nicht drum rum, mir vorzustellen, wie schön diese Straße im Winter mit Schnee aussehen würde.

Kleine Hotels, Gastronomie und wunderschöne Häuser fallen mir in Jagdhaus auf. Der Ort kommt mir vor wie ein ruhiges, vor allem für Urlauber traumhaftes Domizil. Die Straße führt mich wieder in kurviges, baumdominertes Gebiet. Hinter einer langgezogenen Kurve taucht rechts dann eine Hütte auf, oder doch eher ein Haus. Wisent-Hütte ist dort in großen Lettern am Giebel zu lesen. Ich freue mich sehr, nun auf Entdeckungsreise der wiederangesiedelten Tierart zu gehen.

Auf dem großen Parkplatz stelle ich mein Hildemobil ab, um dann mit Gummistiefeln und kuscheliger Jacke ausgerüstet zur Wisent-Hütte zu laufen. Auf dem Weg dorthin bewachen zwei große, geschmiedete Wisente den Weg der Besucher. Die freundliche Frau am Einlass gibt mir meine Eintrittskarte und wünscht mir viel Spaß. Vor lauter Wanderlust kann ich es kaum erwarten, endlich loszugehen!

Der unbefestigte Wanderweg von etwa drei Kilometern Länge liegt vor mir und ich freue mich auf die etwa zwei- bis dreistündige Wanderung. Zum Glück habe ich meine Gummistiefel angezogen, denn der Weg beginnt ein wenig matschig und so stehe ich direkt nach den ersten zehn Schritten schon auf morastigen Waldboden.

Der etwas matschige Weg hinterlässt die ersten Matschspritzer auf meinen Gummistiefeln.

Der Weg führt mich durch einen lichteren Wald mit hohen Fichten. Als waschechte Sauerländerin mit Herz und Liebe für die Natur bin ich nun erstmal überwältigt von derselben. Helle Sonnenstrahlen, die zwischen den Bäumen bis auf den Waldboden fallen und mir das Herz wärmen. Der Duft von Erde, Moos, Fichte und Gräsern in meiner Nase. Ein wenig kühle, frische Waldluft um meine Ohren. Zwei Vögel und ihre Gesänge über meinem Kopf. Der unbeschreiblich weiche und auch feste Waldboden unter meinen Füßen. Ich sehe ein paar Ameisen umher krabbeln.

Sonnenstrahlen, Tannen, Moos – was ein schöner Wald, in dem das Gehege angelegt wurde!

Ich atme tief ein und aus, setze meinen Weg durch diese scheinbar unberührte Natur fort, und gelange an ein kleines Bächlein. Mit Hilfe von Steinen ist es leicht zu überqueren, doch was entdecke ich etwas abseits? Einen morschen Baumstumpf, bedeckt von feuchtem Moos und Gras, mittendrin zwei leuchtend rote Fliegenpilze. Wahrlich nicht überraschend, dass im Wald Pilze wachsen, doch es sind genau diese beiden, die ich als erste bewusst wahrnehme und auch in Erinnerung behalten werde.

Ich muss mich losreißen von dem Anblick der Fliegenpilze und wandere etwas weiter. Etwas erhöht stehe ich also da und sehe, wie dieser kleine Bach, oder eher ein Rinnsal, sich sanft fließend seinen Weg durch das Gelände sucht. Ich genieße noch kurz die Ruhe, in der nur Vögel, Bächlein und manchmal ein leises Rascheln zwischen den Sträuchern zu Hören sind.

Der Dachsbau, ein künstlich angelegter Menschentunnel

Auf dem Weg zu einem „Menschentunnel“ muss ich wieder eine matschige Stelle überwinden. Mit kindlicher Freunde stampfe ich ein wenig im Matsch, ehe ich weiter durch den Tunnel mit dem Namen Dachsbau gehe. Der Tunnel ist künstlich angelegt und führt mich weiter zu einer Stelle mit atemberaubendem Blick auf das Wisent-Gehege. Leider kann ich von hier aus nicht ausmachen, wo die Tiere gerade grasen und rasten. Ich wandere weiter. Es geht etwas weiter bergauf zwischen Fichten hindurch, die auch als Weihnachtsbäume verkauft werden könnten.

Jetzt fällt mir erst auf, dass der Weg mit Holzpfosten markiert ist. Ein eingeprägtes Wisent zeigt an, in welche Richtung ich wandern muss. Ein paar Schritt weiter sehe ich viele kleine Nadelbäume, die wahrscheinlich erst in diesem Jahr dort gewachsen sind. Ihre zartgrünen Nadeln glänzen noch frisch und jung. Nach dem Aufstieg folgt nun ein kleiner Abstieg: die Steinbastion ist ein wenig schwerer zu bewältigen als es den Anschein macht. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr es auf dem Fotos erkennen könnt, doch ich musste dort halb springend, halb kletternd, hinunter.

Es geht nun wieder etwas bergab, nur damit es umso anstrengender wieder bergauf gehen kann. Der Aussichtspunkt Mäjestätischer Fels ist das Ziel der nächsten Wegstrecke. Absolut sprachlos macht mich der Anblick des Weges – ich finde, es sieht aus wie gemalt. Auf und neben dem Weg sind Baumwurzeln erkennbar, überall liegen Tannenzapfen auf dem Boden. Wie ein grüner Teppich ist der Boden von dem typischen Waldgras und Moos bewachsen. Mittendrin schlängelt sich der Weg hindurch. Es ist ruhig, man hört nur entfernt ein Rauschen, vielleicht von einem Bach.

Wie gemalt liegt er da, diese Weg zum Majestätischen Fels

Schweratmend lasse ich mich auf eine der Bänke beim Aussichtspunkt fallen. Ich hatte gehofft, hier endlich die Wisente erblicken zu können, doch wieder werde ich enttäuscht. So langsam frage ich mich scherzhaft, ob sie wohl ausgebrochen sind. Irgendwo müssen diese imposanten großen Säugetiere doch sein! Elf Stück kann man doch nicht einfach übersehen, oder vielleicht doch? Mein Gefühl sagt mir, dass ich noch hoffen darf.

Benachrichtigungen per WhatsApp:

1. Speicher einfach meine Nr.: 0175-5666995 unter Wilde Hilde in deinem Telefonbuch.

2. Schicke "Start" und ich schreibe dir, wenn es was neues auf meinem Blog gibt!

Als nächstes sehe ich, wie der Pfad ein recht steiles Stück bergab geht. Meine Füße rutschen in den Gummistiefeln etwas nach vorn, sodass ich fast stolpere. Der Wald zu meiner Rechten wird dichter, ich höre nun lauter das Rauschen eines Baches. Mein Blick fällt nach vorn, und da sehe ich was. Täusche ich mich? Spielt mein Auge mir einen Streich? Da unten, da erstreckt sich eine Weide hinter dem Wald. Ist das nur ein Baumstamm, der dort liegt? Ich kann es noch nicht genau erkennen. Aber ich spüre ein Kribbeln, das von den Haarspitzen bis zu den Sohlen meiner Schuhe immer stärker wird. Ich laufe etwas schneller, will endlich genau erkennen können, was das auf der Weide ist. Langsam wird mein Schritt noch schneller, ich renne vorsichtig den Weg hinab.

Kaum zu erkennen: der hellbraune Fleck auf der Weide zwischen den Bäumen ist das Wisent

Ja, dort liegen sie! Endlich habe ich sie gefunden. Endlich sehe ich diese Tiere zum ersten Mal lebendig von mir. Endlich hat sich der Weg gelohnt.

Ich knipse mit den Handy ein paar Fotos, doch vor lauter Aufregung sind viele verwackelt. Der Weg führt sowieso an einer besseren Stelle für Fotos vorbei, also gehe ich weiter. Ich überquere zum zweiten mal an diesem Tag einen Bach, ich glaube es ist der gleiche, nun aber größer und stärker geworden als das Rinnsal vom Beginn meiner Wanderung. Mit ein paar Holzbrettern wurde eine einfache Brücke gebaut und ich muss aufpassen, nicht auf dem feuchten Holz auszurutschen.

Vorsichtig überquere ich die Brücke

In der Talquerung ist der Boden wieder matschiger. Etwas trockener liegt erhöht und unter Bäumen eine Stelle zum Rasten. Bänke und Tische laden unter großen Kastanienbäumen zum Ausruhen und Verweilen ein. Ich setze mich und kann von hier aus die Wisente beobachten. Ich versuche zu zählen, doch ich habe keinen freien Blick auf alle elf. Das Wisent, welches ich vor ein paar Minuten zuallererst in – mehr oder minder freier – Wildbahn zu Gesicht bekam, kann ich nun von näherer Distanz fotografieren.

Ich raste auf der Bank und beobachte die Tiere

Der Weg bietet nun eine Sicht von etwas oberhalb auf die Weide und die Tiere. Ich wage mich sogar bis an den Zaun. Es sind vielleicht sieben oder acht Meter freie Weide zwischen mir und dem dunkelbraunen Tier. Es liegt friedlich auf dem Boden und erscheint mir mehr wie eine dunkle Kuh, nur ohne Euter. Es hat spitze Hörner, das Fell ist etwas zottelig, und ich kann sehen wie es ruhig atmet. Die Augen sind starr, aber friedlich auf mich gerichtet. Mit meinem Handy mache ich ein paar Fotos von dem Wisent, im Hintergrund drei weitere braune Riesen, große Fichten und Tannen, ein befahrbarer Weg innerhalb des Geheges, und der mittlerweile leicht bewölkte Himmel ist zwischen den Bäumen erkennbar. Ich nehme diesen Anblick in mich auf, lasse die Szene auf mich wirken und mein Blick schweift ein wenig nach rechts. Ich mache ein Foto, noch eins, und noch eins.

Ruhig liegen die Wisente auf der Weide, manche grasen, andere trinken im Bach

Urplötzlich schlägt mein Herz schneller, denn ich realisiere eine ruckartige Bewegung. Rasendschnell ist es aufgesprungen, fixiert mich durchdringend mit seinem Blick, sprintet in meine Richtung, ist unaufhaltsam, wütend. Der Kopf bewegt sich beim Rennen hoch und runter. Mein Kopf ist leer, ich bin gelähmt, kein klarer Gedanke möglich. Vielleicht vier, fünf Schritte hat das Tier gemacht, dann gehorchen meine Beine endlich meinem Wunsch nach Flucht. Ferngesteuert drehe ich mich um, haste in Richtung Waldweg und vergesse was ich hier wollte. Mein Herz hämmert, spüre den Puls in den Schläfen. Ich schaue nicht hinter mich, denke gleich durchbricht es den Zaun, verfolgt mich, verjagt mich, verscheucht mich. Im Geiste sehe ich mich stolpern, auf dem Boden liegen, Angst verletzt zu werden. Ich muss an die verletzte Wanderin denken, sie war im vergangenen Jahr der freilebenden Herde begegnet. Ich höre kein Geräusch mehr von galoppierenden Hufen.

So schnell die Angst gekommen ist, so schnell ebbt sie wieder ab. Das Blut rauscht noch in meinen Ohren, ich atme noch heftig vor Schock um das Erlebnis gerade. Ich drehe mich um, sehe die Wisentkuh direkt hinter dem Zaun. Da erst fällt mir wieder ein: der Zaun steht unter Strom. Langsam beruhigt sich auch der Atem des Tieres. Ich bleibe erstmal auf Abstand. Dann sehe ich es dort liegen, das Kalb. Sie ist also die Mutter! Ich komme mir dumm vor. Warum hab ich das Kleine nicht vorher gesehen? Natürlich hat sie sich bedroht gefühlt! Ich wage mich ein wenig näher ran, mache noch ein paar Fotos von der Kuh, diesmal aber mit der Zoomfunktion vom Handy.

Als ich weiterlaufe, folgt mir nicht nur der Blick des Kalbs, auch die Mutter folgt mir mit den Augen und sogar ein paar Schritte weit läuft sie hinter mir her. Mein Respekt vor diesen „sanften Riesen“ ist nun auf jeden Fall gewachsen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal in eine solche Situation kommen werde. Ich bin froh, als der Rundwanderweg mich außerhalb der Sichtweite des Tiere führt. Für heute hab ich genug Aufregung erlebt.

Rechts hoch erstreckt sich der Pirschweg, links und damit näher am Gehege führt der andere Weg vorbei. Mir ist gerade ein wenig nach Ablenkung zu Mute. Ich entscheide mich also für den Pirschweg, der sicherlich für den Spürsinn der kleineren Besucher angelegt wurde. Es wurden 10 Dinge dort versteckt, die nicht in den Wald gehören. Also mache ich mich mit aufmerksamen Augen auf die Suche. Ich kann euch wahrlich nicht alle Verstecke verraten, aber ich kann euch zwei Tipps geben: 1) Die Gegenstände hängen in den Tannen. 2) Das erste, welches ich gefunden habe, ist eine Nikolausfigur. Vielleicht wollt ihr noch selber auf die Suche gehen, daher verrate ich euch die anderen versteckten Gegenstände hier nicht.

Ziemlich am Ende kann nochmal eine Rast eingelegt werden. Auf einer Riesen-Schaukel kann der Blick nochmal über das Gelände wandern, bevor man die Wisent-Wildnis wieder verlässt. Nach der Aufregung freue ich mich auf ein paar ruhige Minuten zum verweilen.

Auf der Riesen-Schaukel kann man nochmal auf das Areal schauen und die Erlebnisse „sacken lassen“

Auf dem Rückweg zum Hildemobil kann ich noch den Abenteuerspielplatz inspizieren. Ich bin mir sicher, als Kind hätte ich hier Stunden verbringen können! Wasser in Baumrinden pumpen, Matschkuchen backen, auf Baumstämmen klettern, in die Röhre krabbeln und noch so viel mehr. Es gibt sogar ein Waldpädagogisches Zentrum an der Wisent-Wildnis und Kinder können sich Gummistiefel ausleihen, falls sie die Eingenen vergessen haben und die eigenen Schuhe wieder sauber mit nach Hause nehmen wollen. Die Eltern können währenddessen einen Kaffee trinken und gemütlich an der Wisent-Hütte rasten.

Ein Besuch in der Wisent-Wildnis lege ich jedem Naturfreund, jedem Wanderfreund, jedem Tierfreund ans Herz. Familien mit Kindern können hier auch die ein oder andere actionreiche Stunde verbringen, auch wenn der Rundwanderweg nicht mit Kinderwagen passierbar ist. Der Weg ist für Kleinkinder auch sicher etwas zu lang und zu beschwerlich, doch ist der leichter passierbare Wirtschaftsweg dann geeignet. Die Sicht auf das Gehege ist zwar eingeschränkt, doch mit ein wenig Glück verweilen die Wisente in der Talquerung. Auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität können den Wirtschaftsweg nutzen, um vielleicht einen Blick auf die Wisentherde werfen zu können. Weitere Informationen zu Öffnungszeiten, Preise und dem Artenschutzprojekt an sich finden sich hier im Internet. Die selbstverständlichen Verhaltensregeln findet man auch auf der Internetseite (z. B. sollten aus Rücksicht auf die Wisente keine Hunde mitgebracht werden).

Schreibe einen Kommentar!

Veröffentlicht von Wilde Hilde

Wilde Hilde

Wilde Hilde - Das bin ich, eure abenteuerlustige Hilde, die hier regelmäßig für euch packende und inspirierende Erlebnisberichte schreibt. Hier werdet ihr immer wieder neue Ideen für eure Aktivitäten im Sauerland finden. Als echte Sauerländerin gebe ich euch hier die besten Tipps und nehme euch mit auf diese erlebnisreiche Entdeckungsreise durch das traumhaft schöne Land der tausend Berge. Für mich gibt es keinen schöneren Ort zum Leben! In meiner Freizeit lese ich gerne und viel, vor allem Romane. Wenn ich mal nicht lese, schreibe oder das schöne Sauerland entdecke, dann stehe ich in der Küche und zaubere Leckereien wie Kuchen, Plätzchen und Herzhaftes. Seid gespannt, was wir zusammen noch erleben werden!

2 Gedanken zu „Wilde Hilde trifft auf wilde Tiere“

  1. Liebe ‚wilde‘ Hilde,

    ein sehr schöner, lebendig geschriebener und anschaulicher Beitrag, der einen direkt zu den ‚Wisenten‘ mitnimmt ; )

    Vielen Dank dafür und herzliche Grüße
    Britta

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Benachrichtigungen per WhatsApp:

1. Speicher einfach meine Nr.: 0175-5666995 unter Wilde Hilde in deinem Telefonbuch.

2. Schicke „Start“ und ich schreibe dir, wenn es was neues auf meinem Blog gibt!